Mein Podcast-Kollege Christian Friedrich, Co-Host bei Hamburg hOERt ein HOOU, schreibt einmal im Monat auf, an welchen Themen und Projekten er gearbeitet hat, was im jeweils abgelaufenen Monat wichtig war. In seiner Monatsnotiz für Juni habe ich entdeckt, dass sich unter dem Hashtag #Monatsnotiz schon ein kleines Team von weiteren Schreiber*innen versammelt hat. Im Juli habe ich beschlossen, mich dem anzuschließen.

Ab jetzt möchte ich nach Ende eines Monats jeweils darüber schreiben, was mich in den vergangenen Wochen beschäftigt hat, was ich gelesen, gehört habe und weiterempfehlen möchte, woran ich arbeite, was ich be-merkenswert gefunden habe. Es soll, wie auch mein Blog insgesamt, eine persönlich-berufliche Mischung werden.

Reizvoll finde ich daran, schon während des Monats immer mal wieder zu überlegen, was es wohl in die Notizen schaffen könnte. Außerdem möchte ich wieder etwas regelmäßiger schreiben. Und vielleicht können Leser*innen dieses Blogs daraus auch die ein oder andere Anregung mitnehmen, Freund*innen und Bekannte, die mir hier folgen, erhalten regelmäßig ein Update.

Ich starte mit dem Juli, der durch meinen Sommerurlaub geprägt gewesen ist. Einmal im Jahr eine längere Pause von der Arbeit, dem Alltag zu machen ist für mich in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. Auch mein Podcast „Lob des Gehens“ pausiert im Sommer, im September wird die nächste Episode erscheinen.

Pause und Bücher

Schon im letzten Jahr habe ich zum Thema „Pause“ das schöne Buch „Do/Pause/ – You are not a To Do list.“ von Robert Poynton aus dem Verlag „The Do Book Company“ gelesen. 

„Pause is not always slow down. Pause is different from stopping“, heißt es darin. “Pause gives you access to capacities you might not know you have”. 

Ein ebenso interessantes Gespräch mit der Philosophin Alice Lagaay von der HAW Hamburg zur Pause ist in der Sendung „Sein und Streit“ vom Deutschlandfunk (11.4.2021) zu hören. Sie hinterfragt die Idee von Produktivität und Effizienz in unserer Gesellschaft und erkennt in den Momenten der Pause die existenzielle Erfahrung des „Nicht-Involviert-Seins“. Diese Erfahrung beschreibt perfekt mein Gefühl der vergangenen Ferienwochen. 

In diesem Jahr hatte ich wieder ein Buch der „Do Book Company“ in meinem Gepäck, diesmal zum Thema Gehen von Libby DeLana: „Do/Walk/ – Navigate earth, mind and body. Step by step.“ Im Grunde genommen eine schöne Zusammenfassung vieler Gedanken, die ich den Gesprächen zu „Lob des Gehens“ im vergangenen Jahr entdeckt habe. Was mich noch einmal beeindruckt und letztendlich auch inspiriert hat: Libby deLana verlässt seit über fünf Jahren jeden Morgen („every damn day“) um fünf (!) Uhr das Haus, Sommer wie Winter, um gut 13 km zu wandern, immer dieselbe Route. Sie geht dafür entsprechend früh ins Bett und beschreibt, welche positiven Auswirkungen diese Routine ihr gebracht hat. 

Was ich daran so beeindruckend fand, dass ich es gleich im Urlaub ausprobiert habe, ist die Idee, den Tag morgens früher zu beginnen, um die erste(n) ruhigere(n) Stunde(n), im wachen Zustand, für sich zu haben – was zumindest dann interessant/möglich ist, wenn man sich zum Team Lerche zählt. Ich werde weiter probieren, diesen „Miracle Morning“, unter dem diese Idee auch bekannt ist, beizubehalten, nicht nur zum Gehen. Einziger Nachteil: Es empfiehlt sich wirklich, dafür früher ins Bett zu gehen!

Podcasts über „Querdenker*innen“ und Reisen

Wie immer habe ich im Urlaub viele Podcasts beim Gehen gehört. Viele gute waren dabei, nennen möchte ich die Reihe „Cui Bono – WTF happened to Ken Jebsen?“, die bereits viel besprochen worden ist, unter anderem bei Übermedien von Sandro Schroeder und bei ZEIT online von Daniel Hornuff. Erzählt wird die Geschichte von Ken Jebsen, ehemaliger Radiomoderator bei Radio Berlin Brandenburg, und seine Entwicklung hin zu einem der bedeutsamsten Verschwörungsmystiker des Landes. Ich teile die positive Kritik, mit der der Podcast aufgenommen worden ist. Den kritischen Aspekt, dass man Jebsen damit auch eine Bühne gibt, halte ich für weniger problematisch, unter anderem, da er selbst gar nicht zu Wort kommt. Alle Interviewanfragen hatte der Ex-Moderator abgelehnt. Umso interessanter ist die Sendung des „rbb-Medienmagazins“ vom 19. Juni, die sich mit Makting of und Diskussionen ganz dem Podcast widmet und am Ende Originalinterviews und Stimmen aus den Sendungen der Zeit hören lässt, als Jebens Sendung beim RBB abgesetzt und ihm gekündigt wurde. Hier kommt der Moderator auch selbst zu Wort, sehr aufschlussreich. Diese Aufnahmen fehlen meiner Ansicht nach im Podcast.

Darüber hinaus passte sehr gut in meine Urlaubszeit die Episode des SZ-Podcasts „das Thema“, in der der Journalist Alex Rühle über seine Europa-Recherche-Reise berichtet. Drei Wochen ist er mit einem Interrail-Ticket durch elf Länder gereist, um dort verschiedene Interviewpartner zu treffen. Was er davon berichtet, ist genauso spannend wie sein Reisetipp, mit der Bahn Osteuropa zu entdecken. Ich habe auf jeden Fall sofort Lust bekommen, mir ein Ticket zu besorgen und loszufahren. Interrail gibt es inzwischen auch für Menschen über 28 Jahre.

Gleich drei Podcasts habe ich gehört, in denen der Philosoph Markus Gabriel zu Gast war (Hotel Matze, April 2021 ) bzw. sich in zwei Gesprächen mit der Politologin Ulrike Guérot (Lift-off-Podcast) über den Umgang mit der Corona-Pandemie unterhalten hat. Gabriel gelte als einer der umstrittensten Philosophen der Gegenwart, schreibt Manuel Stark Anfang Mai in der ZEIT (paid content). Interessant finde ich ihn in seinem aufrichtigen Interesse an Menschen, die anders denken als er, und in seinem Bemühen, philosophische Erkenntnisse der Erkenntnistheorie auf unser Handeln im Alltag zu übertragen. Ich war dann überrascht, wie naiv Gabriel bei einigen seiner Vorschläge denkt, wenn es zum Beispiel darum geht, Risse zwischen Arm und Reich in der Gesellschaft zu kitten. In den Gesprächen mit Ulrike Guérot zeigen sich beide als große Kritiker*innen des zweiten und dritten Lockdowns. Die Politologin habe ich bislang aufgrund ihrer klugen Analysen und ihrer europapolitischen Entwürfe sehr geschätzt. Hier im Gespräch ist gut zu verfolgen, an welchen Punkten sie auf der Basis einer an sich sehr nachvollziehbaren Analyse in der Corona-Debatte in eine Richtung abdriftet, die wohl nicht nur mich überrascht hat.

Ergebnisse der Arbeit

Kurz vor meinem Urlaub war ich am 29. Juni noch auf einer Veranstaltung, die für unsere Agentur besonders bedeutsam war: In Berlin hatte unser Kunde, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), in die Malzfabrik zur „Expedition für das Wissen“ eingeladen. Wir hatten das Format in 2019/2020 gemeinsam mit dem Theater-und Performance-Kollektiv „Kompanie Kopfstand“ und der DFG entwickelt. Die Expedition war ursprünglich als Eventreise durch ganz Deutschland geplant gewesen – und musste wegen Corona kurz vor dem Start im April 2020 komplett abgesagt werden. Dass wir im Juni nun noch einmal erleben konnten, was in so vielen intensiven Workshops, Proben und Gesprächen gemeinsam entwickelt worden war, war für alle Beteiligten ein besonderes Erlebnis. Ich denke an die unzähligen Theaterstücke, Events und Konzerte, die in der Zeit der Pandemie nicht zur Aufführung gekommen sind, und ahne, wie sich das anfühlen muss. Einen Eindruck der Expedition vermittelt die filmische Dokumentation, weitere Informationen gibt es auf der Website

Die Kompanie Kopfstand in Aktion. Foto: David Ausserhofer / DFG

Text mit Denkanstoß

In den letzten Tagen habe ich über die Kolumne von Sascha Lobo auf Spiegel online nachgedacht. „Kinderfotos dürfen ins Netz“, schreibt er da am 28. Juli, unter anderem mit der Begründung, das „public shaming“, das Eltern erführen, sei abzulehnen, die Diskussion um Kinderfotos sei patriarchial geführt und sei ein „weiterer Anlass, Müttern ein schlechtes Gewissen zu machen, das Gefühl zu geben, sie dürften nicht tun und lassen, was sie möchten“. 

Ich bin eigentlich anderer Meinung, aber finde auch einiges richtig, was Sascha Lobo zur Begründung seiner Position anführt. Dennoch gehören für mich Fotos, auf denen Kinder eindeutig identifizierbar sind, nicht ins Netz. Mein Alltag mit Kindern lässt sich auch abbilden, ohne dass ich sie mit ihren Gesichtern zeige. Panorama hat im Frühjahr eine Recherche zum Thema Missbrauch von Kinderfotos aus dem Netz veröffentlicht. Die sollte man kennen. Das Problem ist relevanter, als Lobo es darstellt, wenn er schreibt „die Angst ist rein technisch begründet“. Die Zahlen zeigen: Sie ist empirisch begründet. 

Am Ende noch zwei Buchtipps aus meiner Ferienlektüre: 

Frau sein von Mely Kyak – Hanser Verlag 2020.

Stern 211 von Lutz Seiler – Suhrkamp Verlag 2020