Warum „Schmalbart“ unterstützen: Netzwerk für den fairen, offenen, kritischen Diskurs

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Ende November vergangenen Jahres hatte Christoph Kappes, Digitalexperte und Publizist, in einer öffentlichen Einladung zur Unterstützung eines Projekts aufgerufen: Angesichts der durchaus realistischen Befürchtung, dass das US-rechtspopulistische Online-Magazin „Breitbart News Network“ einen Ableger für Deutschland plant, wollte er eine Art „Breitbart-Watch“ ins Leben rufen, dem Portal auf die Finger schauen und Gegenstimmen laut werden lassen, wenn Tatsachen bewusst verfälscht, rechte Ideologien transportiert oder Menschen diskriminiert und in ihrer Würde verletzt werden.

Diese Einladung stieß bei mir auf ein Bedürfnis, das im letzten Jahr mit der sichtbaren Ausweitung populistischer Strömungen im öffentlichen Diskurs stetig gewachsen ist. Auch andere nannten es so oder anders als ihr Motiv, bei Schmalbart mitzumachen: Aktiv werden, konkret etwas dagegen unternehmen, dass Hetze, Pöbeleien und das Verdrehen von Fakten nicht mehr die Ausnahme, sondern mehr und mehr zur Normalität werden und den freien öffentlichen Diskurs immer mehr gefährden. Einer Stimmung entgegenwirken, in der er es plötzlich für bestimmte Menschen akzeptabel sein kann, dass Grundwerte wie Menschenwürde und Solidarität, Vielfalt und Toleranz gegenüber Andersdenkenden mit den Füßen getreten werden und man sich dessen nicht einmal mehr schämt.

Ich habe das Projekt zunächst nur passiv verfolgen können und war angetan davon, wie viele Menschen sich in kurzer Zeit schon gesammelt hatten, wie aktiv und konkret sie das Anliegen verfolgten.

Bei einem Auftakt-Barcamp Mitte Januar in Berlin stand schon eine Website, eine erste finanzielle Unterstützung durch Spenden, konkrete Projekte, denen man sich anschließen konnte, unter anderem eine Online-Datenbank zum Factcheck, Datenvisualisierungen, Gesprächsregeln für Diskussionen in Social-Media oder ein Ansatz zur Förderung der Medienkompetenz in der Schule.

Das Treffen im realen Leben mit den Menschen, die sich um „Schmalbart“ sammeln, hat mich noch einmal bestätigt, hier genau richtig zu sein. Mich hat die reflektierte Herangehensweise genauso überzeugt wie die unterschiedlichen sozialen und auch politischen Milieus, die sich hier in den rund 100 Menschen repräsentierten – „queer beet im demokratischen Spektrum“, wie Christoph Kappes es formulierte. Vielversprechend fand ich auch, dass sich einzelne Initiativen hier vorstellten, die schon in ähnlicher Mission unterwegs sind – wenn Schmalbart Vernetzung leisten kann, so wird das ein Gewinn.

Vor allem aber teile ich den grundsätzlichen Ansatz der Schmalbart-Aktivist*innen: für eine freie, offene, pluralistische und diverse Gesellschaft zu kämpfen, indem wir der sachlichen Debatte wieder mehr Raum verschaffen, den Austausch von Argumenten stärken und gegenseitige Anfeindungen unterlassen. Klar ist dabei allen: Das erfordert vor allem die kritische Selbstbeobachtung. Wer Menschen von den Rändern des politischen Diskurses holen will, darf nicht dazu beitragen, dass diese sich in Schmuddelecken zurückziehen und dort in Gemeinschaft auch irgendwann ganz wohl fühlen können.

Mit dem Barcamp als erstem öffentlichen Auftritt verbunden waren Interviews von Christoph Kappes in klassischen Medien. Auf  Twitter folgte der Versuch, das lose Netzwerk in eine Ecke zu drängen. „Linksversiffte Gutmenschen“, das ist so der ungefähr größte gemeinsame Nenner der höhnischen Kommentare auf Social-Media-Kanälen. Die Medien, in denen Berichte und Interviews erschienen, waren, wenn natürlich auf ganz anderem Niveau, ebenfalls um eine Ein- oder Zuordnung bemüht. „200 Journalisten“ hätten sich unter Schmalbart gefunden, hieß es am Vortag des Barcamps bei detector.fm – zum Glück ist das Spektrum viel breiter: Es sind unter anderen einige Leute dabei, die viel von Technik/Programmierung wissen, von strategischer Kommunikationsplanung, Agenda-Setting und -Monitoring, Soziologen, die mit Statistiken umgehen können, und auch Expert*innen für Fundraising und Rhetorik. „Kommunikationsexpert*innen“ wäre die wohl bessere Klammer, die die Schmalbart-Menschen einigermaßen beschreibt.

Die Frage nach der Finanzierung, die Journalist*innen aber auch diverse „kritische Stimmen“ immer wieder stellten, offenbarte die Vorstellung, es gebe jemanden, der „dahintersteckt“. Gibt es nicht. Es gibt mit Christoph Kappes einen engagierten, gut vernetzten Initiator, der den Anstoß gegeben hat, Leute zusammentrommelt und dem man für sein Engagement zunächst einmal nur danken und ihn auch dafür bewundern kann. Es hat sich um ihn ein Kreis von Aktiven gefunden, die sich ebenfalls in beachtenswerter Weise ehrenamtlich engagieren. Erste Spenden von vielen einzelnen Menschen können verbucht werden, die die gute Idee unterstützen möchten.

Und sehr wichtig: Es wurden ein grundsätzlicher Konsens über gemeinsame Werte und erste Ansätze für eine Strategie formuliert, genauso wie ein klares Ziel: eine frei, pluralistische und diverse Gesellschaft, die für sachliche Debatten Raum schafft und den Austausch verschiedener Meinungen fördert, die zu demokratischer Teilhabe motiviert und diese möglich macht.

Irgendwo habe ich gelesen, dass es ja noch gar nicht sicher sei, ob es wirklich einen deutschen Ableger von Breitbart geben werde. Ich habe nicht den Eindruck, dass damit die Arbeit von Schmalbart hinfällig würde, denn Breitbart in Deutschland wäre ja nur eine Eskalationsstufe einer Entwicklung, die jetzt schon seit langem in vollem Gang ist, ihre Auswüchse zeigt und gegen die das Projekt ankämpfen will.

Wie geht es nun weiter und was kann jede/r Einzelne/r tun?

Es steht sicher noch ein gutes Stück Arbeit an, bis das Projekt so handlungsfähig ist, wie es wünschenswert ist. Es wird weiteren Austausch über das Selbstverständnis geben, über die Organisationsform, über die Finanzierung und eine kontinuierliche Überprüfung, ob man den gestellten Ansprüchen auch selbst genügt – jeder für sich wie die Organisation als Ganzes.

Ich selbst habe meine konkrete Rolle bei Schmalbart noch nicht gefunden und frage mich, wie ich ein Engagement mit dem in Einklang bringen könnte, was sonst noch so ansteht im Leben – wohl die größte Herausforderung für alle Beteiligten, vor allem, wenn es um eine langfristige Perspektive geht.

Aber das wird mich nicht und sollte auch niemanden anderen davon abhalten, das Projekt zu verfolgen, seinen Platz darin zu suchen und auch die niedrigschwelligen Möglichkeiten zu nutzen, dabei zu sein:

  • eine Spende, die hilft, Strukturen aufzubauen, die eine kontinuierliche Arbeit ermöglichen
  • die Arbeit von Schmalbart über die Social-Media Kanäle verfolgen, sich auf dem Laufenden halten
  • dafür sorgen, dass die Botschaften und Kommentare von Schmalbart im Netz eine stärkere Stimme bekommen, sie liken, teilen
  • anderen von Schmalbart erzählen, für die das Projekt interessant sein könnte: vielleicht ist ihre Kompetenz gefragt, vielleicht haben sie Kapazitäten frei
  • die Grundidee von Schmalbart leben, in Diskussionen auf Angriffe gegenüber Andersdenkende verzichten, auf den sachlichen Austausch pochen, sich informieren und Gerüchten und Falschmeldungen mit Fakten kontern

Wer noch nicht so viel von Schmalbart weiß, findet in den Berichten über das Projekt weitere Informationen:

  • Die Deutsche Welle begleitet das Projekt mit einer Serie. Erschienen sind bislang Teil eins und Teil zwei.
  • Ein Interview mit Christoph Kappes im Deutschlandfunk.
  • Ein Beitrag in der Rubrik 10 nach 8 bei ZEIT online von Caroline Kraft

Über diese Kanäle kann man Schmalbart folgen:

Ein Gedanke zu „Warum „Schmalbart“ unterstützen: Netzwerk für den fairen, offenen, kritischen Diskurs

  1. Pingback: Wer schreibt darüber, wenn #deutschlandspricht? | InKladde

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