#WirspringenfürWärmeinskalteWasser

Am kommenden Samstag, 28. Januar, werden sich wieder viele Menschen am Elbstrand in Hamburg treffen, um im kalten Wasser ein Bad zu nehmen. Aufgerufen haben dazu die „Eisbademeisters“, eine private Initiative, die sich von Rostock aus nach Hamburg durchgesetzt hat. Die Idee ist nicht nur überzeugend, sondern auch einfach: Für alle, die sich bei den Temperaturen in den Fluss wagen, spenden Partner der Eisbademeisters, Unternehmen, Stiftungen oder auch Einzelpersonen, einen zuvor festgelegten Beitrag pro Person an soziale Initiativen. So kamen laut Website der Eisbademeisters aus Rostock zusammengerechnet durch die Aktionen allein in Rostock und Hamburg in zwei Jahren insgesamt fast 100.000 Euro zusammen, unter anderem über 20.000 Euro für die Obdachlosenhilfe Rostock und die Rostocker Tafel sowie 20.000 Euro für die Hamburger Organisation Hanseatic Help. In dieser Saison wurden allein in Hamburg immerhin schon knapp 28.000 Euro gespendet, Stand Anfang Januar. Am kommenden Samstag sind wir mit der Agentur Mann beißt Hund Partner, mehr dazu im Blogbeitrag zum Anbaden zu Weihnachten letztes Jahr.

Eisbaden: ein Hochgefühl

Im vorletzten Jahr hatte ich das erste Mal von den Eisbademeisters in Rostock gelesen – und bin dann auch schnell auf die Hamburger Gruppe gestoßen. Von Anfang an hat mich überzeugt, wie hier ein vermeintlicher Gesundheitstrend auf das Gemeinwohl einzahlt und damit erst richtig Sinn schafft. Ob das Eisbaden wirklich die Gesundheit fördert, das Immunsystem stärkt – dazu scheint es wissenschaftlich noch keine belastbaren Daten zu geben. Aus eigener Erfahrung aber weiß ich: Es tut auf jeden Fall sehr gut, macht ein wenig stolz, und im Anschluss stellt sich ein wunderbares Hochgefühl ein. Dafür gibt es dann auch eine Erklärung: Beim kalten Bad werden Adrenalin und andere Stresshormone freigesetzt, die den leicht euphorischen Zustand nach dem Eintauchen ins kalte Wasser verursachen. Ich habe durch das Eisbaden mein Kälteempfinden verändert und mich dabei auch an die Grenzen des eigenen Körpers gewagt. Und wieder einmal mehr habe ich die Erfahrung gemacht, dass es sinnvoller ist, bestimmte Dinge einfach auszuprobieren, statt in der reinen Vorstellung zu verharren.

Gutes tun in Gemeinschaft – für sich selbst und andere

Was ich nun an den Eisbademeisters so überzeugend finde: Sie erweitern das individuelle Wohlgefühl und machen ein kleines, kurzes, aber wirklich schönes Happening am wunderbaren Elbstrand daraus, das zudem auch noch dem Zweck dient, Spenden zu sammeln. 70 bis hundert Menschen zählten die Verantwortlichen Ende des vergangenen Jahres bei den einzelnen Treffen. Termine gibt es auch in diesem Jahr bis Ende Februar. Für eine gute halbe Stunde treffen sich Menschen, die sich größtenteils untereinander nicht kennen, und gehen zusammen für eine gemeinsame Sache ins Wasser. Informationen, wer davon jeweils profitiert, gibt es am Tisch der Bademeisters vor Ort an der Elbe und auf der Website. Neben Geld gewinnen die sozialen Initiativen durch die Aktion auch Aufmerksamkeit: Wenn sich mitten im Winter Menschen ausziehen und in die Elbe springen, werden auch die neugierig, die beim Spaziergang vorbeikommen:“Warum machen die das nur?“ Gespendet wird in diesem Jahr in Hamburg für Obdachloseneinrichtungen, eine soziale Lebensmittelausgabe und die Seenotrettungsaktion Seawatch. Durch diese Partnerschaften können auch die Menschen zu Spender*innen werden, die vielleicht kein Geld übrig hätten, aber verrückt, neugierig und mutig genug sind, bei einstelligen Temperaturen baden zu gehen.

Woche für Woche ein gutes Ritual

Mir gefällt die Aktion auch als Ritual: Im letzten Jahr starteten die ersten Spendenaktionen im November – seitdem treffen sich Unerschrockene Woche für Woche, in Hamburg abwechselnd Freitagnachmittag oder Samstagmorgen. Woche für Woche, egal ob es regnet, die Sonne scheint oder ob es schneit, ob Weihnachten ist oder Silvester, ob das Wasser sieben Grad hat oder 0,7: Die Eisbademeisters sind immer da und viele Stammbadende auch. Es hat sich inzwischen eine kleine Community entwickelt, die sich via Instagram oder Facebook austauscht, Bilder teilt und andere informiert. Ein einheitlicher Typus lässt sich unter den Eisbadenden nicht ausmachen: Es treffen sich junge und ältere Menschen, sportlich fitte und weniger trainierte, zögerliche und Gewohnheitstäter*innen. Irgendwann sind alle dann im Wasser, unterschiedlich lang, unterschiedlich laut. Tiefes Durchatmen wird empfohlen. Einmal eintauchen reicht als Minimum für die Spende.

Sinnvoller als die einsame Eistonne

Der Aufwand beim Mitmachen ist überschaubar. Man lernt schnell, dass es in der Praxis gar nicht so schlimm ist, wie man sich das Eintauchen ins kalte Wasser in der Theorie vielleicht vorstellt. Immer vorausgesetzt, man ist bei guter Gesundheit. Für die Initiator*innen, in Hamburg ein fünfköpfiges Team, kommt schon einiges an Zeit zusammen. Sie strahlen aus, dass die gut investiert ist, dass ihr Engagement sie zu erfüllen scheint, dass sie Spaß haben an dem, was sie da machen.

Ich bin froh und dankbar, dass es die Eisbademeisters in Hamburg gibt. Bleibt nur zu hoffen, dass nach Aktionen in Berlin und Eckernförde noch weitere Städte nachziehen, in denen es sich im Winter gut baden lässt. Es erscheint mir einfach sinnvoller, wenn viele zusammen öffentlich für eine gute Sache baden gehen, als wenn jede*r für sich alleine und nur für das einsame Hochgefühl in der eigenen Eistonne hockt.

Nächster Termin der Eisbademeisters Hamburg: Samstag, 28.1. , Treffen am Elbstrand, Höhe „Strandperle“, 10:45 Uhr, Baden um 11 Uhr; danach bis Ende Februar immer abwechselnd freitags um 16 Uhr (Treffen 15:45 Uhr) und samstags.

Weitere Informationen:

Website der Eisbademeisters Rostock

Website der Eisbademeisters Hamburg

Website der Eisbademeisters Berlin

Video von Mann beißt Hund vom Anbaden im Dezember

Bericht im NDR-Nordmagazin über die Eisbademeisters in Rostock