#Monatsnotiz:  Nach dem Ende eines Monats schreibe ich auf, was mich in den vergangenen Wochen beschäftigt hat, was ich gelesen, gehört habe und weiterempfehlen möchte, woran ich arbeite, was ich be-merkenswert gefunden habe.

Mit dem Oktober endete der letzte Monat der Sommerzeit – abrupt werden nun „die Tage kürzer“, wir stellen die Uhr um eine Stunde zurück. „Zeitumstellung“ nennen wir das, und wie irreführend diese Bezeichnung eigentlich ist, das erklärt Peter Stork in seinem Essay im Online-Magazin riffreporter: Die Zeit lässt sich nicht verstellen. Was wir im Sommer ändern, ist die soziale Uhr. Die biologische tickt wie gehabt weiter. Auch eine Sommerzeit über das ganze Jahr wäre keine Lösung (das war, bis ich den Text las, mein Favorit).  

Peter Spork hat hat eine bessere: Nicht an der Uhr sollten wir drehen, sondern an unserem Lebensalltag, und zwar so, dass wir möglichst viel vom Tageslicht abbekommen. Eine neue „Zeitkultur“ brauchten wir, so fordert er. Das bedeute unter anderem: „Wir verlagern mehr Freizeitaktivitäten in die Zeit vor der Arbeit oder der Schule“.

Gute Idee, ich hoffe nur, auch die Kultusminister*innen lesen diesen Text. Den findet man übrigens bei riffreporter, dem Online-Magazin für guten Wissenschaftsjournalismus mit Themen, die in den klassischen Medien oftmals zu kurz kommen. Ich freue mich, zu verfolgen, wie sich das Portal weiterentwickelt und schätze es sehr. 

Arbeit

Trotz einer Woche Urlaub: Der Monat war prall gefüllt. 

In der zweiten Woche war in der Agentur gefühlt die Hälfte mit dem großen internationalen ITS-Kongress 2021 in Hamburg beschäftigt (ITS steht für „Intelligent Transport Systems and Services“). Wir hatten im Auftrag der ITS 2021 Kongress GmbH schon vor zwei Jahren damit begonnen, Projekte rund um Mobilität mit Jugendlichen, Auszubildenden und Studierenden zu planen und eine Community auf Instagram aufzubauen. Auf der Messe gab es einen eigenen Stand der Young Mobility Community. Unsere Agentur war für die gesamte Kommunikation des Kongresses zuständig, und wir waren alle zusammen sehr stolz auf das Ergebnis

Kurz vorher waren wir Anfang Oktober beim Forum Wissenschaftskommunikation mit mehreren Beiträgen vertreten. Besonders beeindruckt hat mich die Keynote der Physikerin Jessica Wade. Sie hat konkrete, gute Beispiele für gelungene Kommunikation im Gepäck und macht sich für eine bessere Sichtbarkeit für Frauen in den Wissenschaften stark, insbesondere für marginalisierte Wissenschaftlerinnen. Absolut großartig: Sie selbst schreibt jeden Abend! seit 2018 Beiträge über Frauen aus der Wissenschaft auf Wikipedia und hat bereits 1466! Porträts veröffentlicht. Ich finde das nachahmenswert und überlege ernsthaft, doch noch einen zweiten Anlauf als Autorin bei Wikipedia zu starten. 

Auch im Oktober war ich, wie im Vormonat, in verschiedenen Teams mit Ausschreibungen beschäftigt, durchaus anstrengend, aber eben auch spannend, und wie es sich jetzt schon abzeichnet, hat es sich gelohnt. Ein Ergebnis ist bereits offiziell: Wir werden für das Nationale Zentrum Frühe Hilfen in der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung einen Instagram-Account aufbauen und diesen bespielen. „Frühe Hilfen“ richten sich an junge oder werdende Eltern, die Unterstützung brauchen. Das Nationale Zentrum vermittelt ihnen die richtigen Beratungen für ihre Anliegen. Sehr sinnvoll, ich liebe Projekte, in denen die Notwendigkeit von Kommunikation so klar auf der Hand liegt.

Für die Boehringer Ingelheim Stiftung haben wir eine Online-Diskussion im Rahmen der Berlin Science Week konzipiert und organisiert. Der Immunologe Prof. Thomas Böhm traf (am 2.November) den Philosophen Markus Gabriel, um sich über die Erfahrung von Verwundbarkeit vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie austauschen.

Wir denken über eine Weihnachtsaktion nach. Wie jedes Jahr erscheint es zu spät, es hilft auch nichts, schon im Sommer Termine zu machen. Die Köpfe rauchen noch, immerhin haben wir eine Idee.

Podcasts

Mein eigener Podcast hatte in diesem Jahr seinen ersten Geburtstag, ich habe mir mit einem Text hier im Blog gratuliert. Passend zum Jahrestag konnte ich eine neue Folge veröffentlichen, mit Sophie Burger und Lenja Busch über ihr start-up Storydive. Die App präsentiert Geschichten, die wir als Hörer*innen während eines Spaziergangs selbst erleben. Die Verbindung aus Gehen und Hören hat mich ja schon lange fasziniert, und ich habe den Hamburger interaktiven Audiowalk für Altona auch gleich ausprobiert. Wie das war, erzähle im Podcast. 

Neu entdeckt habe ich den Podcast „Good work“ – anregende und gut geführte Gespräche der Organisationsberaterin/Trainerin Jule Jankowski mit spannenden Gästen. Gehört habe ich bislang Gerd Gigerenzer über Risikokompetenz und Entscheidungen. Ich bin wieder froh, nicht in einem größeren Unternehmen oder einer Organisation zu arbeiten: 50 Prozent der Zeit würden dafür investiert, Entscheidungen zu rechtfertigen, berichtet Gigerenzer. In einer weiteren Episode erzählt Wolf Lotter über sein neues Buch „Strengt euch an – Warum sich Leistung wieder lohnen muss“ (den Untertitel finde ich mindestens unglücklich). Ich werde weiterhören, unter anderem interessiert mich gerade die „Vertrauensforscherin“ Eva-Schulte-Austum und die Folge mit Ines Imedahl über das Phänomen der PR-Öffentlichkeit. 

Christian Friedrich, mein Co-Host beim „Hamburg-hOERt ein HOOU-Podcast“ hat im Oktober ein interessantes Gespräch mit Adelheid Iken und Yeliz Yildirim-Krannig zur Arbeit in virtuellen Teams veröffentlicht. Es geht dabei auch um interkulturelle Unterschiede und eine wichtige Erkenntnis ist, diese als Potenzial zu wahren, statt sich anzugleichen. Auch sonst lässt sich für uns Teams- und Zoom-Arbeitende einiges mitnehmen.

Bücher

Ich lese wie so häufig mehrere Bücher gleichzeitig und bin noch mittendrin, dazu mehr dann in der nächsten Monatsnotiz. Empfehlen möchte ich auf jeden Fall schon jetzt Christian Sauers wunderschönes neues Buch „Regen – eine Liebeserklärung an das Wetter wie es ist“, gerade erschienen im verlag hermann schmidt. Es hat mich sofort zu einer neuen Podcastfolge inspiriert. Ich lese das Buch vor allem als Ratgeber. Denn was ich mir lange nicht vorstellen wollte, was aber wissenschaftlich längst erwiesen ist: Es hat deutlich weniger mit Biologie als mit Einstellung zu tun, wie das Wetter auf uns wirkt. Mal sehen, ob Christian Sauer den Regen schön schreiben kann.

Musik

Die französische Sängerin ZAZ hat ein neues Album herausgebracht, ich habe ihr Debüt vor vielen Jahren sehr gemocht. Unter ihren neuen Songs ist da ein eher ungewöhnliches Duett: Zaz singt einen sehr französischen Chanson mit dem Rammstein-Sänger Till Lindemann. Leider musste ich bei seinem Namen sofort weniger an Musik als an sein abstoßendes Gedicht denken, um das es im vergangenen Jahr eine Debatte gab. Rammstein lässt darin sein lyrisches Ich eine Vergewaltigung an einer wehrlosen, sedierten Frau phantasieren. Ich habe mich, eher theoretisch, gefragt, ob sich die Rezeption von Kunst, Musik, Literatur eigentlich trennen lässt von denen, die sich geschaffen haben, ob ich sie rein als Werk wahrnehmen kann, wenn mir Kontextinformationen zum Autor, zur Künstlerin bekannt sind. Das stellte sich mir weniger als moralische, sondern eher als rein praktische Frage. In diesem Fall hat es auf jeden Fall gar nicht funktioniert. Das Kopfkino war an, ich mag das Lied nicht hören, und noch viel weniger möchte ich das Video dazu sehen.  

Es gab ein anderes „Paar“, das ich gerne und viel gehört habe im Oktober: Tocotronic mit der wunderbaren Sängerin Soap & Skin, „Ich tauche auf“. Lustigster Kommentar mit darunter folgendem Candystorm unter dem Video (mit dem ich weniger anfangen kann als mit der Musik): „Ich finds schön mit euch zu altern!“

Und dann schlug mir der Algorithmus das wunderbare Video von Jane Birkin mit der Band Les Negresses Vertes vor, das zudem noch einen so guten Bogen zum Regenbuch schlägt, dass es hier nun einfach hingehört: