Auch in diesem Jahr brauchen unabhängige Medienangebote die Unterstützung ihrer Nutzer*innen – ein Update zum Text aus dem vergangenen Jahr

Am Ende des letzten Jahres habe ich in einem Text hier im Blog beschrieben, warum ich es für wichtig halte, dass wir eine Kultur der Spendenbereitschaft für innovative Medienformate etablieren. Das stimmt für mich Ende 2020 weiterhin genauso, wer den Text nicht kennt, mag gerne nachlesen, warum das über die Unterstützung einzelner Projekte weit hinausreicht. Es stimmt nach diesem besonderen Jahr vielleicht noch mehr. Denn die Corona-Pandemie hat einige Formate, die auf Spenden angewiesen sind, in Engpässe gebracht, vor allen die Angebote, die ihre Einnahmen aus Live-Events erzielt haben. Für einzelne Pionierjournalist*innen brachen Querfinanzierungen weg.

Die klassischen Medien standen angesichts der Relevanz der Corona-Nachrichten bei vielen wieder mehr im Vordergrund. Einige Unterstützer*innen mögen selbst wirtschaftlich betroffen gewesen sein, und in Zeiten fehlender Einnahme oder reduzierter Löhne fallen Spenden natürlich schwerer. Und vielleicht hatten es viele angesichts der täglich neuen Informationen, die es zu verarbeiten gab, gar nicht mehr den Kopf dafür frei, sich mit anderen Medien zu beschäftigen als mit denen, die die täglichen Coronavirus-Updates lieferten.

Freie Medienangebote als wichtige Informationsquellen im Corona-Jahr

Wobei das Jahr auch gezeigt hat, dass gerade hier auch neue, innovative Medien zur wichtigen Informationsquelle geworden sind, für mich persönlich besonders die Riff-Reporter, die sich als Plattform für Wissenschaftsjournalismus mehr und mehr zu einem nicht mehr wegzudenkenden Medium entwickeln. Für das neue Jahr habe ich unserem Haushalt eine Flatrate geschenkt. Und bei allem Ungewissen fand ich es auch in diesem Jahr wieder sehr beruhigend, einmal in der Woche von Ulf und Philipp die „Lage der Nation“ in der Analyse der beiden zu hören. Die täglichen neuen Zahlen, mit denen wir bombardiert worden sind, werden da stets noch einmal gut eingeordnet.

2020 war auch das Jahr des Wissenschafts- und Medizinjournalismus – und ich war neben den Beiträgen der Riffreporter sehr dankbar für einige gut recherchierte Beiträge im Watchblog „Medwatch“ von Hinnerk Feldwisch-Drentrup und Nicola Kuhrt, die als Autor*innenteam unter anderem auch das Thema der Desinformation zu Covid-19 aufgegriffen haben.

Medien spielten in diesem Jahr eine besondere Rolle, gerade weil das Bedürfnis nach aktuellen Informationen so groß war. Gut zu wissen, dass es ein unabhängiges Team von Journalist*innen gibt, die einen kritischen Blick auf die Arbeit der Medien hat – gut dass es Übermedien gibt!

Persönliche Erfahrungen über Blogs und YouTube

Aber auch der persönliche Austausch ist wichtig gewesen in der Zeit, in der Abstand das Gebot der Stunde war: So habe ich mich sehr oft wiedergefunden in den wunderbar lakonischen Blogtexten von Maximilian Buddenbohm, dem ich so oft gerne herüberrufen hätte – manchmal ist es auch geschehen: „Same here“. Großartig war auch das spontane YouTube-Format „3-2-1-Corona“ von Jessica und Björn Staschen, das ganz ohne Unterstützungsaufruf an den Start ging. Was die zwei von Irrsinnigkeiten des Schulalltags in Corona-Zeiten zu berichten wussten, hatte in der Art, wie sie es präsentiert haben, auch etwas Tröstliches: Geteiltes Leid ist einfach besser zu ertragen. Und irgendwann ist das sicher einmal eine wertvolle Dokumentation des alltäglichen Wahnsinns in diesem unglaublichen Jahr.

Weitere Podcast-Lieblinge

Bezeichnend für 2020 ist auch, dass ich noch gar nicht die Zeit gefunden habe, die zweite Staffel eines meiner Lieblingspodcasts „Verrückt“ von Jakob Hein zu hören. Ich freue mich darauf, das jetzt über die Feiertage nachzuholen. Und ich hoffe sehr, dass noch mehr auf der Plattform Steady das Format unterstützen und dass es dann auch eine dritte Staffel geben wird. Von meinem Lieblings-Philosophie-des-Alltags-Podcast „Was denkst du denn?“ habe ich noch einige Folgen auf Reserve – und werde einen Tag Binge-Hören bei einem längeren Spaziergang mit den beiden einplanen. Beim Label Viertausendhertz bleibe ich auch 2021 im Klub. Denn hier gibt es den einzigen Musikpodcast, den ich hin und wieder und dann immer sehr begeistert höre (Reflektor von Jan Müller), den Durch-die-Gegend-Podcast, der immer noch zu meinen Favoriten zählt, und in diesem Jahr neu den Pandemia-Podcast, der für mich besonders mit den COVID-19-Themen relevant war. Insbesondere auch die letzten beiden Folgen des Frequenz-Podcasts, in dem die Viertausendhertz-Macher über alles sprechen, was rund um Podcast-Hören und -Machen relevant ist, waren für mich ein guter Grund, das Klub-Abo zu verlängern.

Medienangebote von Frauen

Meiner persönlichen Auswahl möchte ich ergänzen durch Geschenktipps, die ich gestern gefunden habe und die für die eine oder den anderen vielleicht wirklich noch das Geschenk in letzter Minute werden könnten: Der Journalistinnenbund macht Vorschläge mit der Überschrift „feministische Medienkonzepte und weiblichen Qualitätsjournalismus“ und dem Hinweis, dass „Sorge um ältere Angehörige und ein erhöhtes Maß an Care-Arbeit“ in der Pandemie besonders Frauen, also eben auch Journalistinnen, in ihrer Arbeit eingeschränkt haben. Noch ein guter Grund also, sie zu unterstützen. Ich habe mir „Deine Korrespondentin“ ausgewählt, weil mir der Blick über den Tellerrand, vermittelt von Frauen, gerade in den Zeiten des Einigelns in wiederkehrenden Lockdowns doch sehr wichtig scheint.

Insgesamt sieht meine Bilanz am Ende wohl so aus, dass ich wenig Neues entdeckt habe und meine Auswahl an Angeboten aus dem vergangen Jahr sich bewährt zu haben scheint. Habe ich einfach zu wenig Zeit gehabt, den Blick zu weiten, oder sind die Zeiten einfach gerade nicht so, dass Menschen auf die Idee kommen, ein innovatives Medienformat als Start-Up zu gründen? Ich freue mich über Hinweise in den Kommentaren, die auch andere Leser*innen dieses Textes inspirieren mögen. Und wer das alles hier erst im neuen Jahr liest: Unterstützen geht immer, nicht nur zur Weihnachtszeit!

Update 30.12.2020: Fast hätte ich es vergessen, dabei habe ich mir für das neue Jahr fest vorgenommen, das Online-Literaturmagazin 54books in meine Leseliste mit aufzunehmen – und entsprechend zu unterstützen. Bei 54books schreibt ein Team aus Literaturwissenschaftler*innen, konkret Berit Glanz, Johannes Franzen, Simon Sahner, sowie der Jurist Tilman Winterling, außerdem immer wieder Gastautor*innen. Ich bin über Twitter bereits einige Male auf interessante Texte des Magazins gestoßen, habe gesehen, dass Debatten dort aufgegriffen („Im Dickicht des Literaturbegriffs – Ein Beitrag zur Debatte um Karen Köhlers “Miroloi”) oder auch mit angestoßen werden (Offener Brief: Woody-Allen-Autobiografie im Rowohlt Verlag). Vor allem mag ich den grundsätzlichen Ansatz von 54books,“vielen Themen (einen) Raum (zu) gegeben, die im Feuilleton keinen Platz mehr finden“ und freue mich darauf, dort jetzt regelmäßiger zu lesen.

Übersicht über meine persönliche Auswahl an freien Medienangeboten (A-Z)